Damit hier etwas Leben in die Bude kommt und ich mal wieder ein Erfolgserlebnis habe, lasse ich ein Hobby aufleben:
Collagen.

Es folgen Tagebucheinträge, Geschichten, Gedanken, die ich irgendwann, irgendwo mal aufgeschrieben habe.


Bewegende Worte zum Herbst

„Mir persönlich tut der Herbstanfang ganz gut. Nicht mehr so viel Trubel und auch nicht der ständige Stress, irgendwas mit irgendwem machen zu müssen, nur weil das Wetter gut ist.
Jetzt regnet es und man kann einfach mal wieder ohne schlechtes Gewissen in der Bude hocken oder halt entspannt durch den leeren Wald gehen. Das ist die Form von Ruhe, die mir gefehlt hat.“


Porridge

Recht entspannt beginnt mein Morgen heute mit der üblichen Kanne Kaffee. Dieser folgt dann ein spontaner Anflug der Motivation, sodass die gestern liegen gebliebene Hausarbeit im Nu erledigt ist. Danach ist noch genug Tatendrang übrig, um mir zum Frühstück etwas zu kochen.

Porridge soll es werden, denn ausnahmsweise habe ich mal Milch im Haus, die meine Mutter mir aus der regionalen Molkerei mitgebracht hat.
Das kann ja nur ein kulinarisches Highlight werden.
Doch hier sollte ich schnell eines Besseren belehrt werden:

Die Milch (MHD noch zwei Tage hin) macht zunächst einen unauffälligen Eindruck. Viskosität, Geruch, Farbe.
Alles, was ich so beim Eingießen in den Topf beurteilen kann, wirkt erstmal ganz normal. Während des Erhitzens aber bilden sich plötzlich Flocken, die dann zu Klumpen werden, bis der ganze Inhalt aussieht, wie…. Naja..
Nach einer kurzen Recherche, ob frische Milch sich beim Kochen anders verhält, als haltbare, erfahre ich:
Nein. Die Milch ist schlecht.
Im nächsten Bewerbungsgespräch werde ich diese Geschichte zur Untermauerung meiner persönlichen Stärke “Flexibilität” heranziehen. Das Milch-Porridge wird kurzerhand entsorgt und ein Wasser-Porridge wird angesetzt.
In erster Linie zwar, weil es mir mental dann doch zu anstrengend wäre, mir nach all der Aufregung am frühen Morgen ein anderes Frühstück einfallen zu lassen, aber den Part lasse ich dann einfach weg.


Tagebucheintrag

Bin in den Outlet-Park gefahren. Habe nichts gefunden, aber dafür lustige Sachen für Scratchy im Futterhaus gekauft; Baldrian zum Beispiel. Jetzt ist sie breit.
Bei Starbucks habe ich dann noch einen überteuerten Pumpkin-Spiced-Latte getrunken.
Hab mich ganz kurz fast reich gefühlt.
Nachdem ich vorher jeden Laden enttäuscht wieder verlassen habe, weil ich selbst für die Sale-Artikel zu pleite bin, war das ein guter Ausgleich.


Der Nachbar

Draußen – wo ich mittlerweile Platz genommen habe – herrscht eine rege Geräuschkulisse.

So hört man, neben Vogelgezwitscher, auch einen tatkräftigen Nachbarn sein Werk verrichten.
Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, um was es sich bei diesem Werk so genau handelt, jedoch gibt es ein dumpf klopfendes Geräusch von sich.
Ein weiterer Anwohner beginnt, in seinem Schuppen irgendwas zu sortieren. Sein Fahrrad hat er, wie jeden Tag, auf dem davorliegenden Hof platziert.
Sowieso ist er IMMER irgendwas in seiner Hütte da am Machen. Es scheint, als hätte er sich aufs Extremste mit seiner Frau verkracht und wartet nur noch auf die endgültige Trennung. Bis dieses Ereignis eintrifft, wird er sich wahrscheinlich einfach von morgens bis abends in seinem Schuppen aufhalten. Und wenn es für den Rest seiner Tage ist.

Ich meine, wenn ich schon in der Lage bin, ihn so genau zu hören, dann muss es umgekehrt doch genauso sein? Ich bin mir sicher, wir waren dann und wann zu unangebrachter Tageszeit, unangemessen laute Nachbarn. Laute Nachbarn mit unangemessenen Äußerungen als Kernelemente ihrer Unterhaltungen.
Ein wahrgewordener Traum einer jeden Wohngegend. Aber wohl trotzdem angenehmer, als seine Frau.

Rege Bewegungen von nebenan holen mich zurück aus meinen Gedanken.
Irgendetwas hat den Nachbarn aufgeschreckt. Seine deutlich hörbaren Schritte auf diese Distanz bestätigen meine vorangegangene Annahme: Er wird auch uns gehört haben.
Selbst ,wenn er die Nächte nicht im Schuppen, sondern im unliebsamen Zuhause verbracht haben sollte. Er hat sicherlich wach gelegen und uns verflucht.

Die Aufregung will nicht enden, nun kommt Nachbar Nummer drei hinzu.
„Macht ja keiner außer mir!“, gibt er zu verkünden.
Ein sympathischer Mensch, wie ich finde.
Er ist dabei, die Mülltonne an die Straße zu bringen. Ebenfalls eine sehr laute Beschäftigung.

Ich habe mindestens so viel Verständnis für seine Familie, wie Sympathie für ihn übrig. Um diese Aufgabe reißt sich nun wirklich keiner. Erst recht nicht an warmen Sommertagen, wie heute.
Wobei das mit der Temperatur beim Müllwegbringen auch ein zweischneidiges Schwert ist. Einerseits finde ich es besser, sich dabei nicht auch noch den Arsch abfrieren zu müssen, wie es im Winter der Fall ist. Allerdings muss man dafür im Sommer den Gestank des nahezu kross gebackenen Abfalls ertragen.
Was da jetzt per se besser oder schlechter ist, darüber maße ich mir kein Urteil an.


Insta Reels und Nerventee

Es ist 04:06 Uhr Morgens.
Vor etwa einer Stunde habe ich mir einen Schlaf- und Nerventee gemacht. Da dieser fünfzehn Minuten ziehen muss, dachte ich mir, schaue ich mal kurz auf Insta rein.
Wie so oft bin ich in den Reels gelandet, die mich immer wieder aufs Neue in ihren Bann ziehen.
Zuerst: Ein Mann auf einem Fahrrad, der auf seinen ihn filmenden Kollegen zufährt, einen Sturz inszeniert und dabei in Hundekot fällt.
Sein ungläubiger Kollege war erst überzeugt, dass es sich auch wirklich um Hundekot handelt, als er dran gerochen hat; gefolgt von Würgegeräuschen.
Nächstes Reel:
Ein junger Mann kocht Kidneybohnen-Burger und spielt dabei eine Audio ab, in der seine Schwester jemandem von diesem Gericht berichtet.
Sie sagt, geschmacklich seien sie zwar nicht schlecht, jedoch müsse man davon hart furzen. Als sie die Burger zum ersten Mal gegessen habe, hätte sie in der Schule solche Blähungen gehabt, dass sie immer zum Furzen aufs Klo musste.
Sie fährt fort: Ein mal habe ihr Bruder nur Hot-Dog-Brötchen zuhause gehabt, somit habe er aus den Burgern einfach eine Wurst geformt und sie als Hot Dog serviert.
Zeitgleich ist dies auch im Video zu sehen. Optisch ziemlich abstoßend.
Ich scrolle weiter.
Eine Person, die ein komplettes Kassenband voller Kaugummipackungen kommentiert, als wäre es ihr Einkaufshaul und als wäre jede Packung ein völlig neues Produkt.
Und die Krönung:
Eine Frau, die sich in „Lichtsprache“ mit ihrer Rose, dem Birnenbaum und auch sonst allem möglichen in ihrem Garten unterhält.
Da mein Schlaf- und Nerventee erstens kalt ist und zweitens jetzt eh nicht mehr hilft, habe ich mir vorgenommen, nun herauszufinden, ob sie das ernst meint und warum zur Hölle sie so viele Follower hat, während ich Schiss habe, überhaupt etwas zu posten.


Fliesentisch


Arbeitslosen Update:
Ich habe mich mit meinem Schicksal abgefunden und baue mir jetzt einen Fliesentisch.
Da kommt ja auch direkt der kleine Autist in mir durch, wie ich hier morgens zwischen 2:00 und 5:30 Uhr irgendwelche Mosaikfliesen ihrer farblichen Nuancierung nach sortiere. Andere stehen auf Züge, ich auf Farbharmonien.
Generell finde ich Harmonie nicht verkehrt. Davon gibt es viel zu wenig auf der Welt. In meinem Leben auch.
Die mit abstand größte Dysharmonie herrscht nach wie vor in mir selbst. Deshalb ist es mir auch so unfassbar wichtig, dass wenigstens die scheiß Fliesen für visuelles Wohlbefinden sorgen.


Rhababer

Auf dem Gästeklo meiner Eltern hat es eben deutlich nach Rhababer gerochen. Das wirft doch einige Fragen auf, zumal ich seit nunmehr einer Woche alleine hier bin. Außer dass ich ab und zu mal am Rhababerbusch vorbeigelaufen bin, hatte ich keinen Kontakt mit diesem Gewächs.
Ich wollte erst Gemüse schreiben, aber ich bin mir der genauen Gattung der Pflanze nicht bewusst. Vom Gefühl her würde ich schon Gemüse sagen, obwohl es ja irgendwie auch eher wie Obst verarbeitet wird. Aber das wird ein Kürbis ja auch. Teilweise zumindest.
Gut, ein Kürbis ist auch glaube ich auch einfach ein Kürbis. Also ein Kürbisgewächs. Genau wie eine Melone ein Kürbisgewächs ist.
Aber was ist Rhababer? Das wächst ja nicht auf einem Baum wie so die “classic Frucht”, sondern eher so aus dem Boden raus, wie …
Ja, wie eigentlich? Wie ne Karotte auf jeden Fall nicht. Man muss den Bums ja nicht aus der Erde ziehen. Das wächst ja eher so knospenartig vor sich hin und bildet irgendwann diese Stangen aus, die man dann zwischen diesen viel zu großen, unpraktischen Blättern sieht.
Gerade, wenn der zu Wachsen anfängt, sieht der total widerlich aus, finde ich.
Ist mir wirklich ein Rätsel, wie man da auf den Gedanken kommt: „Ist bestimmt ganz lecker, erstmal nen Kuchen draus backen“, sobald irgendwas rosettenartig aus dem Boden wuchert. Aber da gibt es eh viele Lebensmittel, die die Frage nach den Beweggründen des ersten Menschen, der sie sich reingespachtelt hat, nahelegen.

Um mal wieder die Simpsons zu zitieren: „Milch kommt aus Kuhpimmeln“ (Nelson Muntz).

Von der Optik mal wieder zum eigentlichen Rhababerproblem:
Warum bitte riecht es auf dem Gästeklo nach Rhababer?
An mir wird es nicht liegen, da wächst keiner in der Nähe und auch sonst ist mir schleierhaft, wie das zustande kommen soll.
Rhababer wird ja ungefähr zur Spargelzeit reif. Spargel verändert den Geruch des Urins mancher Leute. Hat Rhababer den gleichen Effekt? Und wenn schon, ich bin schließlich allein.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr schleicht sich mir der Gedanke ein, dass Rhababer ja eigentlich auch sehr ähnlich wächst, wie Spargel wächst. Vielleicht gehören die ja zur gleichen Art?
Aber jetzt wäre auch hier wieder die Frage: Obst oder Gemüse? Ich tippe einfach mal auf Gemüse.
Tomaten sind ja auch Früchte und werden wie Gemüse behandelt, warum sollte es also bei Rhababer nicht auch so sein? Nur eben andersherum. Oder vielleicht stimmt das auch nicht und Spargel ist ein Obst, das wie ein Gemüse behandelt wird?
Aber das wäre mir neu.
Es ist und bleibt ein Rätsel.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

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