Dieses Gedankenexperiment habe ich vor bald zwei Jahren an die Arbeitsagentur gesendet.
Damals stand eine Weiterbildungsförderung für einen Berufswechsel im Raum, denn meinen alten Job konnte ich nicht länger ausüben.
Als dann — drei Gutachten und fast ein Jahr später — endlich alles Nötige vorlag, hätten wir nur noch den Antrag stellen müssen. Gerade noch rechtzeitig, um nicht ins Bürgergeld zu rutschen. Doch der Mitarbeiterin fiel nun ein, dass sie ganz gerne noch eine schriftliche Ausarbeitung über den Weiterbildungsberuf von mir hätte.
Und an dieser Stelle möchte ich erneut auf die Wartezeit von fast einem Jahr hinweisen, die sich doch eigentlich hervorragend dafür angeboten hätte. Besser zumindest, als der letzte Monat vor dem Ausscheiden aus dem ALG1-Bezug.
Diese Kritik meinerseits wurde von ihr mit damit beantwortet, mich sicherheitshalber schon mal mit dem Bürgergeldantrag auseinandersetzen zu sollen.
Stark.
Absolut angepisst setzte ich mich dann zuhause an die Bearbeitung ihrer Aufgabe. Mit diesem Ergebnis hier.
Abgeschickt habe ich zunächst aber eine amtsfreundliche Chat GPT-Ausarbeitung, denn mir war dann doch daran gelegen, die Weiterbildung auch bewilligt zu bekommen.
Als sich dann beim nächsten Termin zeigte, dass der Kurs scheinbar nie wirklich zur Debatte stand und die Beraterin auf ihren eigenen Plänen für mich beharrte, endete das Gespräch recht bald und ich schickte ihr — noch auf dem Parkplatz sitzend — diese ursprüngliche Version zu.
Ihre Reaktion und Antwortgeschwindigkeit ließen vermuten:
1. Sie fand es nicht so lustig, wie die beiden Testleser vor ihr.
2. Entweder hat sie es rekordverdächtig schnell, oder (und das ist wahrscheinlicher) überhaupt nicht durchgelesen.
Das Folgende ist auch so an die Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit gegangen.
Ich habe nachträglich noch ein paar formale Fehler korrigiert (Zeichensetzung, Wiederholungen etc.) und einige teils irrelevante, teils private Passagen entfernt. Hinzugefügt habe ich nichts.
Den Schluss habe ich trotz persönlicher Details bewusst so gelassen. Ist denke ich eh kein Geheimnis, dass solche Prozesse einen irgendwann an den Rand des Wahnsinns treiben können.
Argumentation für eine Förderung zur Digital Learning Developerin
Vorwort
Um Ihnen den Sinn der von mir angestrebten Weiterbildung näherzubringen, habe ich im Folgenden ein Gedankenexperiment konstruiert.
Vorab möchte ich ausdrücklich sagen, dass es sich hierbei lediglich um ein fiktives Beispiel handelt, die Namen frei erfunden sind, jegliche Ähnlichkeit zu realen Personen oder Situationen rein zufällig und nicht beabsichtigt ist und das komplette Gedankenexperiment auf einer hypothetischen Annahme beruht, die nicht der Realität entspricht und von mir lediglich gewählt wurde, um Ihnen den Sachverhalt möglichst deutlich und greifbar darzulegen.
Ich versuche, zu gendern, aber bitte verzeihen Sie es mir, sollte ich dies nicht konsequent eingehalten haben.
Fallbeispiel / Gedankenexperiment
Damit dieses Beispiel funktioniert, stellen Sie sich bitte einmal folgende rein hypothetische Situation vor:
Wir nehmen an, das Sozialsystem, in dem wir leben, arbeite gewinnorientiert. Ähnlich wie im Gesundheitssystem bzw. im Krankenhaus gäbe es für jede_n Arbeitslose_n eine Art Fallpauschale, die der Agentur für Arbeit zugutekäme, solange die Person bei Ihnen als arbeitssuchend gemeldet ist und sich im Vermittlungsprozess befindet.
Dies würde vereinfacht gesagt bedeuten, dass das System am gewinnbringendsten wäre, wenn jede_r Arbeitslose das volle Jahr des Anspruchs auf ALG I bei Ihnen den Vermittlungsprozess durchliefe. Gleichzeitig hieße das, dass jede_r Arbeitslose, der_ vor Ablauf des Bezugszeitraums eine neue Arbeit hätte, einen Verlust einfahren würde, den die Agentur für Arbeit dann selbst ausgleichen müsste.
Sie arbeiten nun in diesem fiktiven, geschilderten System und es geschieht Folgendes:
Es kommen zwei Kund*innen zu Ihnen und melden sich arbeitslos. Nennen wir sie Herrn G. und Frau F. Beide können aus gesundheitlichen Gründen nicht länger in ihrem erlernten Beruf arbeiten, haben sich arbeitssuchend gemeldet und haben nun das Anliegen, sich mit Ihrer Hilfe beruflich neu zu orientieren. Sie leiten alles Nötige in die Wege und der Prozess beginnt.
Frau F. ist von Haus aus etwas beschränkt in ihrer kritischen Auffassungsgabe und macht das Prozedere über mehrere Monate mit, ohne irgendetwas groß zu hinterfragen. Sie wartet sechs bis acht Wochen auf ein Gutachten, dann noch einmal und dann auch noch ein drittes Mal. Sie bleibt lange genug in dem Glauben, dieses System sei darauf ausgelegt, zu helfen, und es ginge bestimmt beim nächsten Termin endlich weiter in Richtung Job.
Als ihr langsam klar wird, dass das wohl doch ein längerer Prozess wird, als sie sich hätte vorstellen können, ist schon einige Zeit vergangen, sodass sie nun auch möchte, dass sich das alles wenigstens gelohnt hat. Das Jahr, in dem die Agentur für Arbeit zuständig ist, somit auch an ihr verdient und sie ALG I bezieht, geht im Sechs- bis Acht-Wochen-Takt dem Ende entgegen.
Nach dem dritten Gutachten und vielen Überlegungen hat sie nun, einen halben Monat vor Ablauf ihres ALG-I-Bezugszeitraums, ein konkretes Berufsbild entworfen, ein Weiterbildungsangebot eingeholt und könnte zur Mitte des letzten für die Agentur relevanten Monats damit beginnen.
Da sie mittlerweile finanziell ziemlich am Ende ist und ihr Folgeantrag auf Wohngeld ebenfalls nicht bearbeitet werden kann, solange sie keine Unterlagen zur Job- und Verdienstsituation ab Ende des ALG-I-Bezugs einreichen kann, möchte sie nun möglichst schnell starten, um nicht in die nächstgrößere Existenzkrise zu rutschen. Sie ist frustriert. Die 30 winkt und noch immer steckt sie genau da fest, wo sie noch vor bald einem Jahr war. Nur mit weniger Selbstbewusstsein und wesentlich weniger Geld auf dem Konto. Das hatte sie sich anders vorgestellt. Umso erleichterter war sie, als sie nach einer langen Phase der Unsicherheit endlich einen Beruf gefunden hatte, der ihr auch wirklich zusagt.
So kommt sie nun mitsamt den Unterlagen zu Ihnen ins Beratungsgespräch, in der naiven Hoffnung, dass man nun endlich – wie schon seit etwa einem halben Jahr versprochen – den Antrag auf LTA stellen würde.
Ihr trauriges Einzelschicksal lässt Sie zum Glück unberührt, sodass es Ihnen möglich bleibt, sich auf das wesentliche Problem des Falles zu konzentrieren, den Elefanten im Raum, wenn man so will:
Der Beginn des von ihr gewünschten Bildungsangebots wäre zwei Wochen vor Ende des Leistungsanspruchs. Als Sie das sehen, lassen Sie sich schnell noch einmal irgendeine abstrakte Fragestellung zum Sinn und Zweck der Umschulung sowie der potenziellen Jobaussicht einfallen, die Frau F. beantworten soll, bevor die Umschulung in die Wege geleitet wird. Denn auch die letzten zwei Wochen, in denen ihre Situation für Umsätze in der Kasse sorgt, kann man noch effektiv ausschöpfen. Zudem sorgen auch derart kurze Zeiträume für Verluste.
Danach kann sich immer noch das Jobcenter mit ihr und sie sich mit dem Bürgergeldantrag beschäftigen. Das Problem wurde optimal gelöst. Die Situation von Frau F. hat nun für ihren vollen Bezugszeitraum auch das Soll eingefahren.
Herr G. hingegen ist da ein etwas schwierigerer Fall. Bereits nach der zweiten sechs- bis achtwöchigen Wartefrist auf wichtige bürokratische Prozesse, Gutachten und erneute Termine wird er ungeduldig. Ihnen gelingt es trotz eindringlicher Überzeugungsversuche nicht, ihm einfachste organisatorische Abläufe verständlich zu machen. Ihm will einfach nicht klar werden, wie wichtig es ist, dass man mindestens dreimal infrage stellt, ob es nicht doch vertretbar wäre, ihn auf Kosten seiner Restgesundheit im alten Beruf unterzubringen. Er kommt für sich zu der Einsicht, dass ihm bei der Agentur für Arbeit womöglich doch nicht die von ihm erhoffte Hilfestellung zugutekommt, und kümmert sich einfach direkt selbst um irgendeinen neuen Job, um nicht länger von einem System abhängig zu sein, das von seiner Arbeitslosigkeit lebt.
Das Problem: Herr G. ist zu schnell abgesprungen. Die Agentur für Arbeit macht Verlust, denn der Zeitraum, in dem Herr G. sich in Vermittlung befand, erfüllt die gesetzlichen Vorgaben nicht. Ihr bleiben die Einnahmen verwehrt, die nötig wären, um die entstandenen Kosten zu decken.
Nimmt man nun alle hypothetischen Einzelfälle, in denen eben nicht eine Frau F., sondern ein Herr G. zu Ihnen käme, zusammen, würde sich der gesamte Verlust merklich summieren und wäre schnell nicht mehr tragbar. All die von Ihnen geführten Beratungstermine mit diesem Endresultat wären für die Agentur im Endeffekt nichts weiter als teuer, denn auch Sie wollen ja von irgendetwas leben.
Führen wir diesen Gedanken einmal weiter:
Stellen Sie sich nun vor, ein großer Teil der Kund*innen in diesem hypothetischen System würde schon nach zwei Wochen der Arbeitslosigkeit trotz Ihrer Überzeugungsversuche erkennen, dass es nicht zu den ehrlichen Absichten der Agentur für Arbeit zählt, Menschen zu einem schnellen, die individuellen Bedürfnisse berücksichtigenden (Rück-)Weg ins Erwerbsleben zu verhelfen. Nicht auszudenken, was für Verluste zustande kämen, wenn die Mehrheit nach kurzer Zeit merken würde, dass sie sowieso auf sich selbst gestellt ist und sich daraufhin direkt selbst neu orientieren würde, statt darauf zu warten, dass sie in ihrer Problemlage wirklich die erhoffte und versprochene Hilfe bekommt, die sie benötigt.
Dieses fiktive Szenario gälte es demnach möglichst frühzeitig einzudämmen.
Doch wie macht man so etwas? Wie schafft man es, jemanden im System zu halten, wenn selbst die sachlichste Erklärung nicht mehr hilft, diese völlig emotionsgeladenen Leute auf den Boden der Tatsachen zu bringen?
Ein abstrahierter Gedanke, auf den man nun bezüglich dieser Situation kommen könnte, ist in der folgenden Abbildung dargestellt.

Abb.1
Hoffnung auf Vermittlung der ALG-I-Beziehenden über den gesamten Bezugszeitraum aufrechterhalten, um ein verfrühtes und somit verlustbringendes Ausscheiden der Kund*innen aus dem System zu verhindern.
Hoffnung wäre hierbei der Faktor, den man zu beeinflussen versuchen könnte.
Und was hat das mit E-Learning-Development zu tun?
Wenn man dieses Konstrukt nun weiterdenkt, könnte man sich beispielsweise die Frage stellen: „Wie kann man denn jetzt Einfluss auf diese Hoffnungskurve nehmen?“
Und zu dem Schluss kommen, dass die Mitarbeitenden, die sich regelmäßig im direkten Kontakt mit den ALG-I-Beziehenden befinden, ein solcher Faktor sind.
Die Möglichkeit, durch eine Veränderung Ihrer Gesprächsführung genug Hoffnung auf Vermittlung zu erzeugen, damit die Kund*innen länger im Prozess bleiben, scheint vielversprechend.
Ihre Vorgesetzten könnten nun auf die Idee kommen, dass Ihnen neues Wissen oder die Vertiefung bereits vorhandenen Wissens dabei helfen könnte, in Zukunft Beratungsgespräche zu führen, die zum gewünschten Effekt führen, wie er in Abb. 1 dargelegt ist. Seltener wie bei Herrn G. verlaufend und öfter wie bei Frau F.
Nun steht die Abteilung, die dies eruiert hat, jedoch vor dem Problem, dass sich weder jemand mit Zeit noch mit Motivation findet, sich damit zu befassen, wie man das denn erreichen könnte.
Geschweige denn, eine (wahrscheinlich wie mit Windows 95 erstellt aussehende) PowerPoint-Präsentation anzufertigen, die sich dann eh wieder keiner im fest terminierten Meeting so richtig anschauen wird.
Bei den letzten Lehrveranstaltungen waren ohnehin 40 % der Mitarbeitenden krank oder aus anderen Gründen nicht anwesend und das Handout, das extra für diese Personen ausgeteilt wurde (die PowerPoint-Präsentation in ausgedruckter Form), hat sich auch wieder keiner durchgelesen.
Zudem muss bald auch noch das anstehende Sommerfest geplant werden. Es sind einfach keine Kapazitäten frei, Recherchen zu diesem Thema durchzuführen, das Wissen für Sie kompakt, ansprechend und verständlich zu visualisieren, zu vermitteln und daraus einen informativen Lerninhalt zu erstellen.
Die Kollegin, die sich sonst motiviert solcher Dinge angenommen hat (sie benutzt wenigstens viele Bilder in ihren Präsentationen und spricht überwiegend frei), ist derzeit leider auch im Mutterschutz.
Ihr Arbeitgeber erkennt das Problem, sieht trotz aller Schwierigkeiten die Wichtigkeit der Thematik und zieht daraufhin einen Digital Learning Developer hinzu. Er schildert ihm die Sachlage und seinen Wunsch und überlässt ihm den Rest. Was für eine Erleichterung!
Der Digital Learning Developer (oder auch E-Learning Developer, Instructional Designer, Projektmitarbeiter für Bildung, Digital Learning Specialist … die Berufsbezeichnungen sind vielfältig) nimmt sich der Thematik an und erstellt nach Absprache mit Ihrem Arbeitgeber für alle Mitarbeitenden einen digitalen Kurs auf einer Lernplattform.
Die Problematik und die Ziele werden im Vorfeld mit dem Auftraggeber (in diesem Falle wäre es die Agentur für Arbeit) besprochen und aus einer groben Idee entsteht ein professionell umgesetztes Lernerlebnis, mit dem eine umfangreiche Schulung der Mitarbeitenden zu jedem Zeitpunkt möglich ist.
Die Formen können hier sehr variieren. Lernvideos, Bilder, Texte, Aufgaben und Quizfragen sind nur einige der Mittel, mit denen Digital Learning Developer Wissen in interessanter und somit automatisch wirksamerer Form an die Schulungsgruppe bringen, als es beispielsweise das tabellarisch aufgebaute Infoblatt zum Thema Datenschutz von Ralf aus der IT-Abteilung tun würde.
Und das ist durchaus etwas, wofür viele Firmen bereit sind, Geld auszugeben.
Durch die zunehmende Digitalisierung hat auch der (firmeninterne) Bildungssektor in den letzten Jahren einen Wandel erlebt. Lerninhalte werden zunehmend digital verfügbar gemacht. Dies hat den Vorteil, dass das Wissen überall und jederzeit von den Mitarbeitenden abgerufen werden kann – unabhängig von festen Schulungsterminen, Krankheit, Urlaub o. Ä. Mittlerweile verfügen viele Firmen über eigene Lern- und Schulungssysteme.
Für eine erfolgreiche selbstständige Erarbeitung der Inhalte ist es jedoch unabdingbar, dass die Schulungen möglichst selbsterklärend und interessant gestaltet sind.
E-Learning-Developer sind deshalb nicht bloß „Leute, die einen Online-Kurs auf Laienniveau bauen“, sondern sie setzen dabei unter anderem fachliche Kenntnisse aus Bereichen wie Didaktik, Storytelling, Mediendesign, UX-Design und Barrierefreiheit ein.
Das vorangegangene Gedankenexperiment ist nur ein mögliches Szenario, das den Einsatz und die Wichtigkeit dieser Berufsgruppe zeigen soll. Das Arbeitsfeld reicht von einer möglichen Festanstellung in einer entsprechenden Abteilung von Firmen und Organisationen über selbstständige Auftragsarbeit und einzelne Projekte bis hin zur selbstständigen Erstellung eigener Lerninhalte in den unterschiedlichsten Ausführungen. Darunter zum Beispiel Kurse, Infokanäle auf Social Media, E-Books, Websites u. v. m.
Mit ein bisschen Recherche sieht man schnell: Ja, es handelt sich hierbei um einen realen Beruf, auch wenn er noch nicht allzu lange existiert und sich ein wenig von den konservativeren, gängigen Berufen unterscheidet.
(…)
Gründe, die für eine Förderung durch den Bildungsgutschein sprechen
Abschließend möchte ich Ihnen darlegen, warum ich diese Weiterbildung als eine sinnvolle und vielversprechende und vor allem nötige Investition in meine persönliche berufliche Zukunft sehe.
Wie Sie eventuell herauslesen konnten (und es mir hoffentlich nicht allzu übel nehmen), mangelt es mir nicht unbedingt an Kreativität oder der Fähigkeit, mich auszudrücken und (auch fiktive) Sachverhalte darzustellen.
Wie Sie sicherlich auch bemerkt haben, fehlt es mir jedoch noch an einigen technischen Grundlagen.
Ich erhoffe mir von der Umschulung, die nötigen Skills zu erlernen, um zukünftig meine Grafiken nicht mehr in „Paint“ malen zu müssen.
Spaß beiseite.
Leider war ich im Alter von ca. 16 bis 26 Jahren noch nicht in der Lage, meine Kreativität auch als potenzielle berufliche Option in Erwägung zu ziehen, da ich sie schnell als „brotlose Kunst“ abgetan habe und mich daraufhin aus unterschiedlichen persönlichen Gründen und großer Unsicherheit bei diesem Thema immer wieder für Berufe entschieden habe, in denen ich schnell gemerkt habe, dass ich dort einfach nicht richtig bin.
Die Quittung dafür habe ich in den letzten Jahren mehr als einmal bekommen. Gesundheitlich und auf Kosten meiner Lebensqualität in mehreren Bereichen. Auch heute scheint diese Strähne noch nicht abreißen zu wollen.
Unsicherheiten und Zweifel werden jedoch auch nicht besser, indem man „noch ein bisschen wartet und überlegt“. Dazu hatte ich in den letzten Jahren mehr als genug Zeit und ich sage Ihnen eines: Wenn das Selbstbewusstsein aufgrund der Jobsituation leidet (und das tut es, zumindest bei mir), dann werden Unsicherheiten und Zweifel automatisch größer und gleichzeitig wird die Hoffnung, dass sich bald irgendetwas an der eigenen Situation verbessert, geringer.
Die Krönung ist es dann aber, wenn man durchgehend kämpft, damit man endlich vorankommt, und einem nach einem Jahr Warten auf Gutachten etc. geraten wird: „Man solle sich sicherheitshalber schon mal mit dem Bürgergeldantrag auseinandersetzen.“ Vor allem, wenn man eigentlich dachte, dass es bei diesem Termin dann doch endlich zur Antragstellung geht, wie schon seit letztem Jahr immer wieder angekündigt.
Ich bin mir dessen bewusst, dass das Konzept der Weiterbildung einen hohen Lernaufwand mit sich bringt und mir eine Menge Selbstorganisation sowie -verantwortung abverlangen wird und dass Sie es wahrscheinlich kritisch sehen, ob ich dazu zum jetzigen Zeitpunkt in der Lage bin.
Darauf kann ich Ihnen nur versichern, dass ich mir meiner kognitiven Leistungsfähigkeit und meiner seelischen Verfassung durchaus bewusst bin und es mir dennoch – oder gerade deswegen – selbst zutraue. Die Akutphase meiner Krankheitssituation ist nach meinem Empfinden vorüber, sodass ich es als richtig und wichtig empfinde, nun auch endlich wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Nur halt dieses Mal da, wo ich auch wirklich sein möchte, und nicht dort, wo irgendein System sagt, dass es das Beste für mich wäre. Das habe ich schon viel zu lange gemacht und darum sitze ich jetzt hier.
Auch bin ich überzeugt, dass ich gerade durch die überwiegend selbstständige Lernform in einem Feld, für das ich mich wirklich interessiere, bessere Lern- und somit langfristig bessere Berufsaussichten habe, da ich während meiner gesamten Schul- und Berufslaufbahn immer wieder die Erfahrung gemacht habe, dass ich am besten unter eben diesen Voraussetzungen arbeiten kann.
Ich sehe diese Weiterbildung als Chance, einen neuen beruflichen Weg zu gehen, und zwar ohne, dass meine bisherige Laufbahn „umsonst“ gewesen ist. Gerade durch die praktische Erfahrung und die Fachkompetenzen im Gesundheitsbereich habe ich ein Profil, das für viele interessant ist.
